Was bitteschön sind Softskills?
Es ist ein verregneten Dezember-Sonntagnachmittag. Die drei Freunde Sebastian Heise, 26, Christoph Moldt, 23, und Danny Freymark, 23, sitzen in Berlin-Treptow in Christophs Studentenbude und grübeln über ihre Karriere. In den Wochen davor haben sie Firmenkontaktmessen besucht, haben bei großen Unternehmen angerufen und die Frage gestellt: „Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Berufseinsteiger?“ Die Antworten, die sie bekommen, befriedigen sie nicht. Sie werden von Assistentinnen abgefertigt. Und die haben, wie Sebastian sagt, „entweder keine Ahnung“ oder betonen nur allgemein die so genannten Soft Skills, also die Sozialkompetenzen – „die heute in jeder Stellenanzeige verlangt werden, nur, dass einem dabei keiner sagt, wie man das lernt“.
Die drei wollen lernen. Also schreiben sie an diesem Nachmittag Briefe. Es sind über 50, adressiert direkt an die Vorstände namhafter Unternehmen in Deutschland. Die Namen und Adressen dazu haben sie aus dem Internet. Das Anschreiben variiert schon mal, aber die Kernfrage ist immer gleich: „Welche Empfehlungen würden Sie uns nahe legen, um nichtfachliche Qualifikationen (Soft Skills) bewusst während des Studiums entwickeln und fördern zu können?“
Es dauert keine zwei Wochen, da trudeln die ersten Antworten ein. Zum Schluss sind es über 30 Vorstände, Personalchefs und Recruiter, die ihnen persönlich antworten, darunter Allianz-CEO Michael Diekmann, KFW-Vorstand Detlef Leinberger, Quelle-Personalvorstand Georg-Suso Sutter, Vodafone-Personalchef Thomas Neumann oder der Bereichsleiter der Führungskräfte beim Touristikkonzern TUI, Harald Ring (siehe Kasten). Manche schreiben ihnen eine halbe Seite, manche bis zu vier. TUI-Personalentwickler Ring packt gleich ein ganzes Kompetenzmodell für die Führungsriege seines Unternehmens dazu.
Die Jungs sind platt – obwohl viele Schreiben nicht viel mehr als Plattitüden oder banale Tipps enthalten: „Macht ein Praktikum!“ „Geht ins Ausland!“ „Sucht euch einen Mentor!“ Alles nicht falsch, aber alles auch irgendwie bekannt. Julia Merkel, Leiterin der Personalentwicklung bei der Metro Group, rät dem Trio zum Beispiel, sich selbst immer wieder infrage zu stellen und „aktiv ein Feedback von seinem Umfeld einzufordern“. Den ungewöhnlichsten Tipp aber bekommen sie von Franziska von le Fort, Netzwerkkoordinatorin bei der Werbeagentur Scholz & Friends: „Soft Skills trainiert man, indem man regelmäßig, aber mindestens einmal wöchentlich das White Trash in Berlin-Mitte besucht.“ In dem – inzwischen umgezogenen – Berliner Kult-Club mit integriertem Chinarestaurant treffen sich Rocker, Touristen, Alternative und Möchtegern-Yuppies. Der Hollywood-Mime Bruce Willis wurde hier ebenfalls schon gesichtet. Die drei Freunde gehen hin – und lernen, wie sie es vorsichtig ausdrücken, „was es heißt, sein Verhaltensspektrum stark zu erweitern“.
Aber auch die anderen Antworten sind interessant:
Thomas Neumann, Geschäftsführer Personal bei Vodafone: „Soziale Kompetenzen kann man durch einen geschärften Blick, die entsprechenden methodischen Kenntnisse und Erfahrungen entwickeln. Besuchen Sie Vorlesungen zum Thema Kommunikation zum Beispiel bei den Soziologen oder Psychologen. Lesen Sie zum Beispiel die drei Bände von Friedemann Schulz von Thun „Miteinander reden“. Nutzen Sie Ihre studienbegleitenden Arbeitsgruppen dazu, gemeinsam über die Form Ihrer Zusammenarbeit und nicht nur über die Inhalte zu reflektieren.“
Martin Martiny, Aufsichtsrat bei Vattenfall Europa: „Ich empfehle Ihnen, möglichst viele praktische Phasen in die Studienzeit einzubauen. Dies ist der wirksamste Weg zur Entwicklung nichtfachlicher Kompetenzen.“
Michael Diekmann, Allianz-CEO, empfiehlt, sich in „universitären Gremien wie AIESEC oder auch in Unternehmensberatungen, die von Studenten gegründet“ wurden, zu engagieren, um möglichst „frühzeitig Verantwortung zu übernehmen“.
Detlef Leinberger, KFW-Vorstand: „Referate erstellen ist mit Kommilitonen oft angenehmer als alleine. Präsentationen vor den unterschiedlichsten Zuhörern sind nicht nur als Rhetorikübung zu empfehlen, sondern auch für den Umgang mit Kritik oder Lob.“
Christoph Fay, Leiter des Hochschulmarketings bei der Deutschen Lufthansa: „Es gibt keine andere Art, Teamfähigkeit zu entwickeln, als durch die Arbeit im Team. Den Umgang mit Konflikten lernen Sie nur, wenn Sie auch mal welche haben!“
Olaf Dehnbostel, Personalmanager bei Unilever: „Soziale Kompetenz heißt, sich in unbekannten Umgebungen schnell zurechtzufinden und Entscheidungswege – auch die inoffiziellen – wahrzunehmen, leidenschaftlich für seine Ideen zu kämpfen und für die Ergebnisse geradezustehen. Gut fördern lässt sich das durch einen längeren Auslandsaufenthalt.“
Ursula Wagner, inzwischen selbstständige Management-Beraterin und Ex-Personalentwicklerin bei Schering: „Zu guter Letzt gehört auch etwas Humor dazu, wenn Sie Ihre Sozialkompetenz entwickeln. So sah es jedenfalls Papst Johannes der 23. Er soll jeden Morgen zu seinem Spiegelbild gesagt haben: Johannes, nimm dich nicht so wichtig!“
Die drei wollen lernen. Also schreiben sie an diesem Nachmittag Briefe. Es sind über 50, adressiert direkt an die Vorstände namhafter Unternehmen in Deutschland. Die Namen und Adressen dazu haben sie aus dem Internet. Das Anschreiben variiert schon mal, aber die Kernfrage ist immer gleich: „Welche Empfehlungen würden Sie uns nahe legen, um nichtfachliche Qualifikationen (Soft Skills) bewusst während des Studiums entwickeln und fördern zu können?“
Es dauert keine zwei Wochen, da trudeln die ersten Antworten ein. Zum Schluss sind es über 30 Vorstände, Personalchefs und Recruiter, die ihnen persönlich antworten, darunter Allianz-CEO Michael Diekmann, KFW-Vorstand Detlef Leinberger, Quelle-Personalvorstand Georg-Suso Sutter, Vodafone-Personalchef Thomas Neumann oder der Bereichsleiter der Führungskräfte beim Touristikkonzern TUI, Harald Ring (siehe Kasten). Manche schreiben ihnen eine halbe Seite, manche bis zu vier. TUI-Personalentwickler Ring packt gleich ein ganzes Kompetenzmodell für die Führungsriege seines Unternehmens dazu.
Die Jungs sind platt – obwohl viele Schreiben nicht viel mehr als Plattitüden oder banale Tipps enthalten: „Macht ein Praktikum!“ „Geht ins Ausland!“ „Sucht euch einen Mentor!“ Alles nicht falsch, aber alles auch irgendwie bekannt. Julia Merkel, Leiterin der Personalentwicklung bei der Metro Group, rät dem Trio zum Beispiel, sich selbst immer wieder infrage zu stellen und „aktiv ein Feedback von seinem Umfeld einzufordern“. Den ungewöhnlichsten Tipp aber bekommen sie von Franziska von le Fort, Netzwerkkoordinatorin bei der Werbeagentur Scholz & Friends: „Soft Skills trainiert man, indem man regelmäßig, aber mindestens einmal wöchentlich das White Trash in Berlin-Mitte besucht.“ In dem – inzwischen umgezogenen – Berliner Kult-Club mit integriertem Chinarestaurant treffen sich Rocker, Touristen, Alternative und Möchtegern-Yuppies. Der Hollywood-Mime Bruce Willis wurde hier ebenfalls schon gesichtet. Die drei Freunde gehen hin – und lernen, wie sie es vorsichtig ausdrücken, „was es heißt, sein Verhaltensspektrum stark zu erweitern“.
Aber auch die anderen Antworten sind interessant:
Thomas Neumann, Geschäftsführer Personal bei Vodafone: „Soziale Kompetenzen kann man durch einen geschärften Blick, die entsprechenden methodischen Kenntnisse und Erfahrungen entwickeln. Besuchen Sie Vorlesungen zum Thema Kommunikation zum Beispiel bei den Soziologen oder Psychologen. Lesen Sie zum Beispiel die drei Bände von Friedemann Schulz von Thun „Miteinander reden“. Nutzen Sie Ihre studienbegleitenden Arbeitsgruppen dazu, gemeinsam über die Form Ihrer Zusammenarbeit und nicht nur über die Inhalte zu reflektieren.“
Martin Martiny, Aufsichtsrat bei Vattenfall Europa: „Ich empfehle Ihnen, möglichst viele praktische Phasen in die Studienzeit einzubauen. Dies ist der wirksamste Weg zur Entwicklung nichtfachlicher Kompetenzen.“
Michael Diekmann, Allianz-CEO, empfiehlt, sich in „universitären Gremien wie AIESEC oder auch in Unternehmensberatungen, die von Studenten gegründet“ wurden, zu engagieren, um möglichst „frühzeitig Verantwortung zu übernehmen“.
Detlef Leinberger, KFW-Vorstand: „Referate erstellen ist mit Kommilitonen oft angenehmer als alleine. Präsentationen vor den unterschiedlichsten Zuhörern sind nicht nur als Rhetorikübung zu empfehlen, sondern auch für den Umgang mit Kritik oder Lob.“
Christoph Fay, Leiter des Hochschulmarketings bei der Deutschen Lufthansa: „Es gibt keine andere Art, Teamfähigkeit zu entwickeln, als durch die Arbeit im Team. Den Umgang mit Konflikten lernen Sie nur, wenn Sie auch mal welche haben!“
Olaf Dehnbostel, Personalmanager bei Unilever: „Soziale Kompetenz heißt, sich in unbekannten Umgebungen schnell zurechtzufinden und Entscheidungswege – auch die inoffiziellen – wahrzunehmen, leidenschaftlich für seine Ideen zu kämpfen und für die Ergebnisse geradezustehen. Gut fördern lässt sich das durch einen längeren Auslandsaufenthalt.“
Ursula Wagner, inzwischen selbstständige Management-Beraterin und Ex-Personalentwicklerin bei Schering: „Zu guter Letzt gehört auch etwas Humor dazu, wenn Sie Ihre Sozialkompetenz entwickeln. So sah es jedenfalls Papst Johannes der 23. Er soll jeden Morgen zu seinem Spiegelbild gesagt haben: Johannes, nimm dich nicht so wichtig!“
(c) Reiner Fakeman
fakeman - 22. Sep, 10:09
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